Drosseln ist eine Sache, die Realität eine andere!

Screen Shot 2013-05-01 at 12.07.56Die Telekom wurde schon (zu Recht) zur Genüge für die Einführung ihrer Drosselverträge für Neukunden kritisiert.

Eine vielzitierte Äußerung des Telekom Chefs René Obermann hat mich neugierig gemacht. Er schreibt an Philip Rösler, von der Drosselung seien nur:

[..] drei Prozent der Kunden betroffen. Diese Kunden nutzen in unserem Netz 10- bis 20-mal größere Datenmengen als ein durchschnittlicher Kunde, der 15 bis 20 GByte pro Monat verbraucht.

„Das kann man doch prima nachrechnen!“, dachte ich. Heraus kam obige Infografik, die ich hiermit unter die CC-BY-SA Lizenz stelle.

Also angenommen, die Telekom würde nicht nur Neukunden sondern alle Bestandskunden auf 75 GB drosseln, würden unter optimalen Voraussetzungen sagenhafte 15% Datenvolumen eingespart! Das Datenvolumen ist durch die Telekom-eigenen Zahlen ein ganz offensichtlicher Vorwand um die Netzneutralität durch die Hintertür zu untergraben!

Datenvolumen, Neukunden und Wachstum

Diese Grafik ist stark vereinfacht. Zum einen geht sie davon aus, das für alle Kunden die 75 GB Drossel gelten würde. Somit fällt diese Infografik de facto deutlich zugunsten der Telekom aus!

Die Telekom will die Drosselung eben nur für Neukunden (und in neue Verträge gezwungene Kunden) einführen, und technisch erst 2016 umsetzen. Bis dahin wird die Nutzung des Datenvolumens weiter rasant ansteigen, während die Telekom in den vergangenen 4 Jahren lediglich im Schnitt 4% neue DSL Kunden für sich gewinnen konnte (Quelle: www.dslweb.de).

Telekom Kunden bewegen sich also schleichend in die Datensackgasse, während die Telekom kontinuierlich mehr an ihnen verdient, weil immer mehr an der Drosseldecke eingequetscht werden und sich von dort freikaufen oder in einen teureren Vertrag wechseln müssen.

Die ohnehin schon stark abflachende Wachstumsrate der Telekom DSL Verträge wird durch die Drosselung mit Sicherheit nicht beflügelt.

Einsparung und Quersubvention

Würde die Telekom also alle Kunden auf 75 GB drosseln, könnten ziemlich exakt 15% des Datenvolumens eingespart werden. Legt man diese 15% auf den derzeitigen Preis von €29,95 für einen 16 MBit/s DSL Vertrag der Telekom um, so müsste dessen Preis lediglich auf €34,44 angehoben werden um eine Quersubvention zu ermöglichen.

Wohlgemerkt: die 15% Einsparung sind unrealistisch, da sie von der Annahme ausgehen, das alle Kunden auf 75 GB gedrosselt würden. Realistischer wäre eine Preissteigerung wohl eher im Bereich von 1€ bis 3€ anzusiedeln.

Zudem ist es nicht ersichtlich, warum dann die bei Preisstaffelungen sonst so gewieft agierende Telekom keine „Entdrosselungsoption“ für €5 monatlich anbieten will.