Werbung Blockieren ist Raubkopieren!

Diese Konversation in einem englischen Forum ist lustig:

A: „Conceptually, I would say blocking ads is not really that much different from pirating content.“

B: „So when I go and make myself a coffee while there are ads on TV, it’s conceptually not that much different from pirating that content?“

A: „Pretty much! Anything you do to avoid your ‘side’ of the equation is conceptually similar to piracy (not legally of course, just conceptually). Whether that is fastforwarding through adverts, muting the TV, or making a coffee during the break, it [is] all the same concept. You are consuming the content but not paying for it (whether by cash or by watching ads).“

Wenn man sich dabei gut fühlt…

…kann man sich die Werbung ja gerne reinziehen. Dumm nur, das durch das Betrachten der Werbung alleine der Inhalte-Anbieter kein (TV) oder sehr wenig (Internet) Geld verdient.

Im Fernsehen kann ich also Werbung völlig mißachten – es ändert nichts daran was der Fernsehsender für diese Werbung einnimmt. Auch wenn ich sie betrachte, ändert sich nichts – die Nachricht muss ja schließlich bei mir ankommen, z.B. in der Form das ich das erwähnte Produkt (öfter) kaufe oder einfach nur höher einstufe (Markenwerbung).

Im Internet wird tatsächlich etwas an Werbung verdient, die nur angezeigt wird. Weitaus größeren Umsatz macht man als Webseitenbetreiber jedoch mit Werbung, die auch angeklickt wird. Das bereits das Anzeigen der Werbung Geld bringt, ist vor allem erstmal ein Anreiz die Werbung überhaupt mit auf die Seite aufzunehmen. Denn angeklickt wird meist nur ein verschwindend geringer Prozentsatz (eher ein Promillesatz!) der Anzeigenaufrufe.

Keine Werbung? Ja, bitte!

Nun beklagen sich Webseitenbetreiber allerorten über Werbeblocker aller Art. Mein neuester Liebling ist übrigens AdTrap – die erste Hardware die das gesamte lokale Netz vom Unrat (sprich: unerwünschter Werbung) bereinigt.

Meine Einstellung ist klar: ich klicke keine Werbung an. Demzufolge muss ich sie auch nicht sehen.

Ich empfinde auch keinerlei Verpflichtung gegenüber Seitenbetreiber diese mit der Anzeige der Werbung zu unterstützen. Im Gegenteil empfinde ich es als meine Aufgabe, dem Betreiber durch mein Verhalten mitzuteilen, das ich mir ein anderes Geschäftsmodell wünsche. Solange es für den Betreiber mit Werbung die bei mir geblockt wird, weiterhin funktioniert, ist schließlich alles in Ordnung.

Wenn der Webseitenbetreiber droht, durch immer geringere Werbeeinnahmen seine Inhalte zu reduzieren oder ganz dicht zu machen, habe ich nur Kopfschütteln übrig. Es ist Aufgabe des Betreibers, ein Geschäftsmodell zu finden, das für ihn funktioniert. Wenn der Betreiber meint, das Verhalten der Nutzer sei das Problem, hat er etwas nicht verstanden.

Ich bin gerne bereit bei bestimmten Seiten bzw. für bestimmte Inhalte zu bezahlen oder ein Abo einzugehen. Bislang gibt es Angebote jedoch nur in sehr, sehr geringer Zahl. Zumindest solche, die es wert sind.

Darüber hinaus bin ich voll und ganz einverstanden mit „artgerechter“ Werbung. Diese wird auch so gut wie nicht von Adblockern beseitigt – weil sie eben nicht von Dritten gehostet wird. Wie auf meinem Learn Cocos2D Blog: ich bewerbe meine eigenen Produkte auf meiner eigenen Seite, sowie Produkte Dritter die ich empfehlen kann und an deren Verkäufe ich mitverdiene. Umgekehrt genauso.

Affiliate marketing for the win! Auch wenn es da ebenfalls viele Grauzonen gibt, oft mit gekauften reviews.

Werbung muss nicht sein, Punkt!

Niemand hat die Absicht eine Werbung zu schalten!

Betreiber von Webseiten, die sich über geringe Werbeeinnahmen beklagen, gehören selbst angeklagt. Es ist deren Entscheidung sich über Werbung zu finanzieren. Wenn das für Wachstum nicht reicht, muss man umdenken. Wenn man gar tatsächlich (und nicht nur angedeutet) droht, mit seiner Seite finanziell den Bach runterzugehen (Fachbegriff: downstream), muss man umdenken.

Mit umdenken muss nicht unbedingt das Geschäftsmodell gemeint sein. Nein, es würde oft schon reichen wenn man seine Werbung sorgfältiger aussucht. Was will man bitteschön mit Zahnpasta-Werbung auf einer Seite für Zocker bezwecken?

Richtig: vermitteln, das Werbung irgendwie total daneben ist. Besser gehts fast nur noch mit „Dates aus deiner Nähe“ und egal wo du bist, es sind immer die gleichen Girls – sind nur mal eben schnell umgezogen.

Für diejenigen, für die sich Werbung nicht lohnt, gibt es nur zwei Wege: Scheitern oder umdenken. Und genau deswegen sind Werbeblocker wichtig: sie unterstützen den Umdenkprozess.

Ein Problem der Wahrnehmung?

Doch scheinbar scheint der gar nicht nötig, soviele neue und alte Webseiten setzen weiterhin auf Werbung. Schon irgendwie seltsam, oder nicht? Ich denke (und höre) vor allem für eher professionell organisierte Webseiten (mit entsprechendem traffic) ist Werbung eine passable Geldquelle.

Für Blogger und Einzelkämpfer eher nicht, und daher kommt wohl das gern genährte Gefühl das Webseiten zwingend auf jede einzelne page impression angewiesen sind.

Bei (relativ gesehen) kleinen Seiten stehen oft Werbeeinnahmen im einstelligen Euro Bereich dreistelligen Einnahmen anderer Optionen gegenüber, wie eben affiliate marketing, Partnerprogramme und bezahlte posts.

Ich würde dort jeden Monat etwa Platz 3-5 Einnehmen – allein durch Direktvermarktung und affiliate sales verdiene ich mindestens €200 im Monat und bis zu €500.

Es ist doch ganz einfach (ist es nicht, aber eigentlich doch)

Wenige Inhalte für einen kleineren Markt mit hoher Qualität produzieren, und dafür Geld verlangen – das funktioniert.

Viele Inhalte für einen großen Markt werbefinanziert produzieren – das funktioniert ebenso und wird auch weiterhin funktionieren.

Alte Geschäftsmodelle aus der analogen Welt in die digitale übertragen – das funktioniert nie erwartungsgemäß. Hier muss man umdenken, kreativ werden. Das können offensichtlich die wenigsten ehemaligen Analogisten (nur ein L, ist schon richtig so).

Beides zu kombinieren – viele Inhalte und hohe Qualität über Werbung finanzieren – das funktioniert nicht oder nur schlecht als Recht. Darüber soll sich bitte niemand beschweren.

Schon gar nicht die Nutzer!

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