OUYA? Bitte nicht noch eine Indie Konsole!

Der Glaube versetzt Berge. Aktuell: die OUYA Konsole auf Kickstarter hat bereits über $4,4 Mio gesammelt.

Und was ist so toll daran? Hmmmm, vielleicht das es ein paar findige Leute reich machen wird. Die Entwickler der Konsole nämlich.

Wird es die Xboxen und Playstations vom Markt fegen? Quatsch. Nicht mal ansatzweise. Spätestens ein paar Monate nach release wird sich keine Sau mehr für das Gerät interessieren. Außer die absoluten Nerds natürlich.

OUYA steht nur des Kickstarter Videos und Textes so gut da, weil das was wir sehen und lesen können runtergeht wie Öl. Und weil wir solch ein PR Blabla nur von großen Firmen kennen, sind wir sofort geneigt es einer kleinen Gruppe von Enthusiasten zu glauben. Die wollen schließlich nur das Beste für uns.

Ein Problem von OUYA: solange es nicht im Media Markt steht und mit millionenschwerer Werbekampagne die Hype-Trommel rührt … naja, solange wird sich das Gerät nur an absolute Enthusiasten verkaufen. Aktueller hype hin oder her. Ohne eigene Marketingabteilung kriegen die das Gerät nicht an einen breiteren Markt verkauft, und solange bleibt die Flut der Software ein Rauschen in der Ferne.

Wie bei allen Konsolen verkauft sich die Hardware nur über die Software. Und eine Heimkonsole, die alles kann und mit der man alles machen darf, wird keinen wirklich zufrieden stellen. Sie wird überschwemmt werden mit schlechten, kaputten, überflüssigen und möglicherweise sogar gefährlichen Apps. Siehe Apps fürs Android Handy. Und keiner schützt einen vor Patenttrollen, die meinen sie hätten ein Patent auf In-App Einkäufe.

Und manch schlecht programmierte Apps stürzen dann vielleicht ab wenn man nur statt des offiziellen einen anderen Controller eingesteckt hat. Oder eine USB Festplatte einer bestimmten Marke angestöpselt hat. Oder gar kein externer Speicher angeschlossen ist. Andere apps produzieren auf manchem 3D Fernseher nur Bildmüll. Und zerstören nebenbei Spielstände, weil das Betriebssystem manipuliert oder komplett ersetzt wurde. Manch eine App dagegen verlangt nach einer Kinect und einem Wii Controller gleichzeitig. Das System wird sich mangels Kompatibilität automatisch selbst zerstören, wenn jeder dran rumfummeln darf.

Die ersten Entwickler werden einen gehörigen Anteil daran haben, wie die Konsole wahrgenommen wird. Ebenso das System zur Bewertung und Zertifizierung der Software – wenn es denn überhaupt eins gibt. Sowas ist nämlich verdammt schwer zu stemmen und kostspielig in der Entwicklung, egal ob das nun die Community übernimmt oder ein internes Team. Dabei ist gerade das der kritische Punkt, der findet aber noch nirgends eine Erwähnung. Genau so wenig wie App Ratings und Rankings – ein Hauptproblem aller App Stores. Das fördert dann unter anderem das „Furz App“ oder „Massage Game“ Phänomen, wo mit Fäkalhumor oder freizügigen Bildchen sinnlose Apps sehr populär werden können.

Kommerzielle Entwickler werden daher die Konsole meiden, weil sie weder die kritische Masse erreicht hat und gleichzeitig ähnliche Probleme aufwirft, wie wir sie nur von (Windows) PCs und den bisherigen App Stores kennen. Und wenn Spiele Entwickler etwas hassen, dann ist es frei konfigurierbare Hardware und manipulierbare Betriebssysteme. Unter Windows Vista sind etwa 65% aller Abstürze von Spielen sind auf Fehler im Grafikkartentreiber oder Betriebssystem zurückzuführen.

Toll! Sowas will ich auf meiner Konsole auch haben!

Und ist die Idee zu einer Open Source Spielkonsole wirklich so neu? Erinnert sich denn keiner an:

Wird mit OUYA irgendetwas anders? Wohl kaum. Sobald der Medienrummel vorbei ist, versinkt das Ding wieder in der Niche aus der es herkam und bleibt interessant nur für (und nicht bös gemeint) nerdige Game Zockoleros mit Hang zum coden und hacken. Und bringt es doch ein feature auf das die Leute total abfahren, wird das feature in kürzester auf Xbox und Playstation zu haben sein. Sony, Microsoft und vielleicht sogar das unbewegliche „wir-sind-anders“ Nintendo lassen sich nicht so einfach die Butter vom Brot nehmen.

OUYA ist zu Xbox360 wie ein beliebiges Xbox Live Indie Game zu Assassin’s Creed. Beliebig, weil man einfach noch nicht weiss, was man kriegt, wenn man nur Titelbild und Beschreibung kennt. Und wie toll ein durchschnittliches Xbox Live Indie Game ist … nun, naja.

Wer etwas von der OUYA erwartet, muss noch viele Monate ganz fest dran glauben das das auch in Erfüllung geht. Sehr fest! Und solange hoffen, das man sein Geld nicht leichtfertig zum Fenster rausgeworfen hat.

Achja, nebenbei verrät das Projekt noch wie unprofessionell sie wirklich sind. In einem Nebensatz steht, das ein paar der Entwickler wohl gefeuert werden würden, wenn man wüsste, wer sie sind. Ganz offensichtlich brauchen sie die viele Kohle für das bald anhängige Gerichtsverfahren.

UPDATE: Hier ist noch ein kritischer Artikel (englisch) den man gelesen haben sollte. Der geht auf Punkte ein wie Glaubwürdigkeit der Entwickler (Zeitraum, Aussagen), fehlende Launch Titel, potentielle Rechtsprobleme (einige Entwickler würden gefeuert werden, wenn ihr Arbeitgeber wüsste, das sie an OUYA mitarbeiten) und das das System aus verschiedenen Gründen nicht reizvoll für Entwickler ist.

Ein Gedanke zu “OUYA? Bitte nicht noch eine Indie Konsole!

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