Humor ist, wenns keiner kommentiert …

Da schreibt der Jan Fleischhauer auf Spiegel Online, das die Deutschen ein Humorproblem haben. Als Beispiel dient das Titanic Titelblatt welches den Papst mit Urinfleck zeigt: „Die undichte Stelle ist gefunden“ – wogegen nun der Papst klagt (sonst hätte ja auch kein Hahn danach gekräht, kein Kolumnist gekrächzt, usw.).

Das sei Furzkissen-Niveau und ich gebe ihm Recht. Dafür ist Titanic schließlich zuständig. Eben eine deutsche Variante des MAD Magazine. Und die nichtmal 100.000 Leser sind als Zielgruppe möglicherweise nicht repräsentativ was den Sinn für Humor angeht.

Was mich an dem Kommentar besonders stört: der Herr Fleischhauer empfiehlt der Titanic, doch mal eine Karikatur über den Propheten Mohammed zu veröffentlichen. Dann mal sehen, wie viel Humor die Herren des Magazins danach noch übrig haben. Dieser Vorschlag ging noch gründlicher daneben als die Botschaft der Titanic. Subversive Satire mit hinterfotzigem Zynismus aushebeln wollen – ein grandioser Gedanke!

Augenzwinkernd will ich noch hinzufügen: „Ein jeder kehr vor seiner eignen Tür, da hat er Dreck genug dafür.“

Wenn Deutschland ein Humor-Problem hat, dann ist das kaum deutlicher zu sehen als auf den Witzseiten der populären deutschen Hochglanz-Magazine. Auf allgemeines, politisch-korrektes Niveau zurechtgestutzte Satire ist nicht mehr als solche zu bezeichnen, sondern einfach nur platt. Beispielhaft dafür steht Spam von Spiegel Online.

In einem Kommentar, der den 1935 verstorbenen Kurt Tucholsky als großen Satiriker hervorhebt, mag man auch nicht viel erwarten. Vielleicht helfen ein paar Nachholstunden vor der Mattscheibe? Schließlich hat Deutschland nach 1935 auch solche Größen wie Oliver Kalkofe „hervorgebracht“.

Nein, Deutschland hat kein Humor-Problem. Spiegel Online hat ein Kolumnisten Problem – Personen, die ohne Herz und Verstand über ein Thema schreiben, weil sie darüber (so kommt es mir vor) „halt mal was schreiben“ sollen.